Sie sind hier: › Aktuelles 
24.04.2015

Kreisverband zum Thema "Sterbehilfe" in der Filderklinik

(v.l.n.r.) Stefan Hiller, Susanne Kränzle, Ulrich Mack und Wolfgang Molitor

(tvb) Gut 100 Interessierte folgen der Einladung des CDU-Kreisverbandes zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in der Filderklinik in Filderstadt-Bonlanden über „Hilfe zum Sterben contra Hilfe zum Leben leisten“.

Nach der Begrüßung durch Dr. Bernd Voggenreiter, dem Geschäftsführer der Filderklinik und Einleitung ins Thema, durch die stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Ilona Koch, diskutierten nach Einzelreferaten von Prälat Ulrich Mack, Regionalbischof bei der evangelischen Landeskirche Baden-Württemberg, Susanne Kränzle, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz- und Palliativ-Verbandes Baden-Württemberg e.V., Dr. med. Stefan Hiller, Internist und Palliativmediziner an der Filderklinik und Christoph Traub, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Bacher & Partner GbR in Stuttgart über das Thema Sterbehilfe.

Nur wenige Tage bevor im Bundestag die Abstimmung über wesentliche gesetzliche Änderungen anstand, zeigte sich einmal mehr wie schwer der Umgang mit der Hilfe zum Sterben ist. So bedauerte Dr. Hiller, dass es für Ärzte keine deutschlandweit einheitliche "Sichtweise" gibt. Das sorgt im Kollegenkreis für große Unsicherheit. Hiller wünscht sich eine Vereinheitlichung und somit eine optimale Begleitung aller "betroffenen Patienten". Oft wollen Schwerkranke sterben, doch als Arzt möchte er nicht "Hilfe zum Sterben", sondern "Hilfe beim Sterben" leisten.

Christoph Traub verwies auf rechtliche Probleme beim Steuer- und Erbrecht. Da Suizid nicht strafverfolgt wird ergibt sich auch keine Pflicht zum Weiterleben. Die EU-Menschenrechtskonvention erlaube zwar "die freie Entscheidung des Einzelnen", doch sagt sie nichts zu Sterbehilfevereinen. Wäre in Deutschland ein solcher Verein verfassungskonform? Würde deren Zulassung einen Täter hinter dem Täter legalisieren? Steht die Verabreichung eines tödlichen Medikamentencocktails nicht im Widerspruch zur unterlassenen Hilfeleistung?

Susanne Kränzle stellte die Würde des Menschen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Hospizarbeit stelle sicher, dass die Idee der Selbsttötung oft nur noch als ideelle Hintertür für Trost und Zuversicht sorge. Hospize stützen die Autonomie der Menschen. Es bedrücke sie, dass inzwischen Schweizer Rentner und Pflegebedürftige nach Deutschland kämen, um hier in Ruhe leben und sterben zu können, um so dem Druck anderen zur Last zur fallen auszuweichen.

Ulrich Mack sieht die Frage "Wie ist denn Sterben?", also die Begleitung Sterbender als zunächst zu klären an. Dabei sind Leidende, also Betroffene und Angehörige, gleichermaßen einzubinden. Leid sei auch Bestimmung, die jeder für sich zu entscheiden habe. "Im Leid liegt ein Sinn" - prominentes Beispiel sei das öffentliche Sterben von Papst Johannes Paul II., weil im Christsein Leiden zum Leben gehört. Daher plädierte Mack für Sterbebegleitung, aber gegen Sterbehilfe. Das belgische Gesetz, wonach Angehörige über das Töten Dementer und Säuglinge entscheiden können, sei eine Katastrophe. Auch beschäftigen ihn die sozialen Folgen. Die mögliche heimliche Erwartung bei Angehörigen, dass beispielsweise Schwerstkranke Suizidangebote anzunehmen hätten, erhöhe den Leidensdruck. Mack forderte, dass Töten nicht gesellschaftsfähig werden dürfe - wie es vor 80 Jahren schon mal in Deutschland möglich war.

In der von Wolfgang Molitor, dem stellvertretenden Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, geleiteten Diskussion unter Einbeziehung von Zuhörerfragen, waren sich die Teilnehmer schnell einig, dass die Ärzteschaft zu schützen sei, Hospizangebote auszubauen sind und die finanzielle Sterbebegleitung im Pflegeheim und im Hospiz anzugleichen ist. Ob das Töten auf Verlangen jedoch legalisiert werden dürfe, da waren sich die Redner und Gäste keineswegs einig. So sorgte die am Abend ständig mitschwingende Frage nach Einhaltung des fünften Gebotes "Du sollst nicht töten" aufgrund der diskutierten Sichtweisen eher für weitere Fragen als für klare Antworten.

Der CDU Kreisverband dankt der Filderklinik und allen Beteiligten für einen sehr interessanten Themenabend.

 
CDU Kreisverband Esslingen CDU Baden-Württemberg CDU Deutschlands CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Mitglied werden CDU-Fraktion Baden-Württemberg CDU.TV Angela Merkel
© CDU-Ortsverband Aichwald 2017