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13.02.2012

Der Minister setzt auf die Tugend der Eselsgeduld

Filder. Zum gemeinsamen Neujahrsempfang begrüßen drei CDU-Stadtverbände Wolfgang Schäuble. Von Ursula Vollmer

von Ursula Vollmer

Zum ersten Mal haben die CDU-Stadtverbände von Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Neuhausen ihren Neujahrsempfang gemeinsam ausgerichtet – und bei der Wahl des Veranstaltungsortes gleich ein glückliches Händchen bewiesen: „Eine Spedition“, lobte der prominente Gastredner Wolfgang Schäuble am Samstag in Bonlanden, „ist ein passendes Symbol für unsere Verflechtung mit der ganzen Welt“. Mitarbeiter des gastgebenden Transport- und Logistikunternehmens Beck hatten in der Nacht eine 2000 Quadratmeter große Umschlagshalle leer geräumt, die der Bundesfinanzminister am Nachmittag mühelos füllt.

„Sie werden überall geschätzt“, begrüßte Ilona Koch, die Stadtverbandsvorsitzende von L.-E., den Ehrengast herzlich, und auch der Filderstädter Vorsitzende Thorwald Teuffel von Birkensee unterstrich Schäubles anhaltende Beliebtheitsquote.

Die Idee zu einem grenzüberschreitenden Start ins politische Jahr ist nach den Worten von Rainer Roos aus dem gemeinsamen Engagement der drei Kommunen für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 hervorgegangen. „Diese Überzeugungsarbeit hat uns zusammengeschweißt“, sagte der Vorsitzende des Ortsverbands Neuhausen. Die drei Gremien knüpften über den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael  Hennrich die Verbindung zum Minister in Berlin, den die Region am Fuß der Teck immer wieder lebhaft an Kindheitsbesuche beim Großvater erinnert.

Nirgendwo sonst lasse sich die Veränderung der Wirtschaftsstruktur deutlicher beobachten als auf den Fildern, konstatierte Schäuble. „Schon fast vergessen“ sei aber auch hier die schwere Wirtschaftskrise mit Auftragseinbrüchen um bis zu 80 Prozent. Inzwischen habe die Autoindustrie die höchste Produktionsrate ihrer Geschichte eingefahren – und drei Viertel aller Modelle ins Ausland verkauft. „Das Zusammenwachsen ist die Voraussetzung für unseren wirtschaftlichen Erfolg“, betonte der vormalige Innenminister im Hinblick auf die Zukunft Europas.

Die globalen Probleme seien im Alleingang nicht zu lösen, auch wenn in der Auseinandersetzung zwischen den Regierungslagern mancher Ärger zu bewältigen sei. „Das ist wie in jeder Familie“, sagte der Politik-Profi gelassen. Dennoch stehe er für eine gesamt-europäische Friedenspolitik, zu der als unverzichtbarer Bestandteil die gemeinsame Währung gehöre sowie – „ich kann es leider nicht ersparen“ – der Ausbau der Infrastruktur. Ohne in ein Manuskript zu schauen warb Wolfgang Schäuble eine knappe Stunde lang vehement für eine Politik der Entwicklung in Solidarität. Spontanen Applaus erhielt er aber vor allem für seine Forderung, die Unterstützung Griechenlands dürfe nicht zu einem Fass mit offenem Boden werden. Das dortige Desaster, hervorgerufen durch ein Versagen der politischen Eliten, sei nur mit „Eselsgeduld“ und dem Erlass der Gläubiger, nicht aber durch weitere Milliarden zu verhindern.

Bevor Schäuble im zweiten Teil der Veranstaltung seine Unterschrift in das Goldene Buch der Stadt Filderstadt setzte, ging er in einer kurzen Fragerunde auf sein Verhältnis zur Gentechnik sein. Die Nachricht, dass die BASF die Verlagerung ihrer entsprechende Forschung in die USA plane, sei für ihn schon jetzt die bitterste des Jahres, sagte er. In Zukunft gehe es darum, sieben Milliarden Menschen „anständig“ zu ernähren – „und alle brauchen die Chance auf ein menschenwürdiges Leben“.

 
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