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10.10.2011

CDU will differenziertes Schulsystem erhalten

Plochingen: Kreisparteitag hält nichts davon, vorhandene Strukturen auf den Kopf zu stellen

Der Landesparteitag der CDU am 15. Oktober gilt der Bildungspolitik. Der Kreisparteitag im historischen Brausaal der Plochinger Waldhornbrauerei am Freitag diente der Vorbereitung. Auf das Impulsreferat des bildungspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Georg Wacker, folgte eine nur wenig kontroverse Diskussion.

Wacker warf der neuen Landesregierung „Beliebigkeit“ vor: „Es ist im Grunde alles möglich.“ Gemeinschaftsschule könne jede Schulart werden, die es wolle, bis hin zur einzügigen Hauptschule mit gymnasialem Zug. Das neunjährige Gymnasium (G9) solle parallel zum achtjährigen (G8) existieren. Dabei habe sich G8 mittlerweile etabliert. In Baden-Württemberg seien insgesamt vier Typen von Gymnasien geplant. „Das kann aus pädagogischen und qualitativen Gründen nicht gutgehen.“

Durch die Abschaffung der verbindlichen Schulempfehlung werde der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung verschärft. „Eltern aus niederen sozialen Schichten neigen eher nicht dazu, ihr Kind auf das Gymnasium zu schicken.“ Dadurch landeten Kinder auf der Haupt- oder Werkrealschule, die „das Zeug fürs Gymnasium hätten“. Internationale Leistungsvergleiche, so Wacker weiter, lieferten keinen Beleg, welche Schulstruktur nützlich sei. „Maßgeblich ist die Qualität des Unterrichts, unabhängig vom System.“ Also sei es nicht sinnvoll, „alles auf den Kopf zu stellen, was wir in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben“.

Auf dem CDU-Bundesparteitag, forderte Wacker, dürfe es „keinen Einheitsbeschluss geben, der für alle Bundesländer gilt“. Zwar könne bei sinkenden Schülerzahlen nicht jeder Standort einer Haupt- oder Werkrealschule Bestand haben, aber diesen Bildungsgang müsse es weiterhin geben. Die etwa 140 Zuhörer applaudierten.

„Unser Schulsystem ist durchlässig“, lobte der Esslinger Stadtrat und Gewerbelehrer Edward-Errol Jaffke. Das sei wichtig, denn: „Wir haben ab und zu mal Spätzünder.“ Was er nun erlebe, habe „nicht mit Chancengleichheit zu tun, sondern mit Gleichmacherei“. Brigitte Paffenholz war mehr als 40 Jahre im Schuldienst. „Von der Gesamtschule in Hessen war ich anfangs begeistert, später ernüchtert.“ Es habe eine Nivellierung und Niveausenkung gegeben. „Ich wehre mich mit Händen und Füßen gegen eine Einheitsschule, weil ich beides vergleichen konnte.“ Andreas Bewer aus Neuhausen meinte, die CDU dürfe sich Ansätzen zur Verbesserung des individualisierten Lernens nicht versperren. „Dafür brauchen wir aber keine zwangsläufige Umwälzung der vorhandenen Strukturen.“

Der Unterensinger Gemeinderat Helmut Hallass sprach als betroffener Vater. Beim G8 sehe er den Vorteil bis heute noch nicht, es habe einen „veränderten Leistungsdruck“ und eine „gewisse Oberflächlichkeit“ erreicht. Hallass mahnte, die Bildungshäuser für Drei- bis Zehnjährige weiterzuverfolgen. Wenn Bildungsentscheidungen nun verstärkt vor Ort lägen, seien die CDU-Leute vor Ort gefragt. „Die Umsetzung von G8 war schlecht“, räumte Christa Vossschulte, frühere Schulleiterin des Esslinger Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG), ein. Die Fortbildung habe gefehlt. Doch weiterhin sei G8 die richtige Form. „18- und 19-Jährige sind heute so weit entwickelt, sie passen nicht mehr in das System Schule.“

Einstimmig forderten die Wahlberechtigten den CDU-Landesverband auf, für den Bundesparteitag einen Antrag zum Erhalt des differenzierten Schulsystems vorzubereiten. Einstimmig hoben sie auch die roten Stimmkarten, als Landrat Heinz Eininger (CDU) um Unterstützung für die Initiative „ES für S 21“ warb. Die Verträge zu Stuttgart 21 hätten kein Kündigungsrecht, argumentierte Eininger. 

VON PETER DIETRICH

 
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