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28.11.2011

„Die Menschen wollen das Thema beendet wissen - so oder so“

KREIS ESSLINGEN: Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 kommentieren den Ausgang der Volksabstimmung

  Die CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle (von links), Thaddäus Kunzmann und Karl Zimmermann sowie Bundestagsabgeordneter Markus Grübel (rechts) verfolgen den Eingang der Resultate im Landratsamt.Foto: Bulgrin

 

Die CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle (von links), Thaddäus Kunzmann und Karl Zimmermann sowie Bundestagsabgeordneter Markus Grübel (rechts) verfolgen den Eingang der Resultate im Landratsamt. Foto: Bulgrin

(rok/adi) - Klarer als von manchen Beobachtern erwartet, haben sich die Menschen im Kreis Esslingen für das Großprojekt Stuttgart 21 ausgesprochen. Nach Auszählung der Stimmen galt es gestern Abend, die Ergebnisse der Volksabstimmung zu bewerten. Die EZ befragte Gegner und Befürworter nach ihren Einschätzungen.

Heinz Eininger, Landrat: Ich freue mich über das Ergebnis, darüber, dass es so klar ist und dass die Beteiligung hier so hoch war. Denn auf den Landkreis wurde besonders geschaut, weil er neben der Landeshauptstadt am meisten betroffen ist. Ich erwarte, dass der Ministerpräsident Wort hält und das Projekt zügig vorantreibt. Ich hoffe auf eine befriedende Wirkung, denn es kann nicht sein, dass die Bauarbeiten von Polizeischutz flankiert werden müssen. Ich war mir nicht so sicher, wie die Abstimmung ausgeht. Ich glaube, der Schulterschluss zwischen Oberbürgermeistern, Bürgermeistern, der IHK, der Kreishandwerkerschaft und mir hat etwas bewirkt.

Jürgen Zieger, Esslinger OB: Als Befürworter von Stuttgart 21 bin ich froh über das klare Ergebnis, empfinde aber kein Triumphgefühl. Auch nach dem eindeutigen Ausgang der Volksabstimmung sind die Meinungen in der Bevölkerung geteilt. Deshalb empfinde ich es als die wichtigste Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass sich Gegner und Befürworter die Hände reichen. Für mich war klar, dass das Ergebnis umso eindeutiger ausfallen würde, je mehr Menschen sich beteiligen. Die Menschen wollen das Thema jetzt endlich beendet wissen - so oder so.

Andrea Lindlohr, Landtagsabgeordnete der Grünen: Das Ergebnis hätte ich nicht in dieser Deutlichkeit erwartet. Offenbar haben unsere Argumente gegen Stuttgart 21 nicht die Mehrheit der Menschen überzeugt. Nun hat der Souverän gesprochen und es gilt, die Verträge mit der Bahn, die von einem Kostenrahmen von 4,5 Milliarden Euro ausgehen, zu respektieren. Trotzdem hat das Ergebnis gezeigt, dass es eben nicht nur die Grünen sind, die Bedenken gegen Stuttgart 21 haben.

Wolfgang Drexler, SPD-Landtagsabgeordneter: Mich freut die überraschend tolle Beteiligung, vor allem in Stadt und Landkreis Esslingen. Sie zeigt, dass die Menschen direkte Demokratie belohnen. Ich bin froh, dass es so eine klare Entscheidung für Stuttgart 21 gegeben hat und hoffe, dass dieses Ergebnis nun zur Befriedung beitragen wird. Die Landesregierung wird jetzt das tun, was wir vor der Wahl versprochen haben: Bei einem klaren Votum Stuttgart 21 bauen und sich um viele andere wichtige Themen kümmern.

Andreas Deuschle, CDU-Landtagsabgeordneter: Der Einsatz an den Infoständen hat sich gelohnt. Wir haben die Befürworter aktivieren können. Ich habe jetzt die Hoffnung, dass der Konflikt befriedet wird. Ich erwarte, dass vor allem Verkehrsminister Hermann seiner Pflicht nachkommt, das Projekt zu fördern. Und ich hoffe, dass die Gegner dieses klare Votum akzeptieren. Ich glaube, dass in Stuttgart jetzt Ruhe einkehrt.

Karin Roth, SPD-Bundestagsabgeordnete: Mich freut die hohe Wahlbeteiligung, weil sie beweist, dass wir mit unserer Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung richtig lagen. Die Menschen wollen zu solch umstrittenen Themen ihre Meinung sagen. Deshalb müssen wir weiter dafür eintreten, auch das Quorum zu reduzieren. Die Menschen im ganzen Land, nicht nur in der Region, haben begriffen, dass wir eine gute Verkehrsinfrastruktur brauchen.

Markus Grübel, CDU-Bundestagsabgeordneter: Ein gutes Ergebnis für das Land und eine überraschend hohe Wahlbeteiligung. Dem Ministerpräsidenten empfehle ich dringend, seinen Verkehrsminister zu entlassen. Mit einem bekennenden Gegner kann die Landesregierung dieses Projekt nicht kraftvoll fördern. Ich freue mich, dass nun europäische Mittel und Geld von der Bahn nach Baden-Württemberg fließen.

Ingo Hacker, Bürgermeister in Neuhausen: Ich freue mich, dass in Neuhausen und im Rest des Landes die Vernunft gesiegt hat. Unsere Gemeinde ist jetzt bei der S-Bahn-Verlängerung wieder im Rennen. Zudem wird durch das Projekt die Schiene eine echte Alternative zum Flugzeug und damit ist auch eine zweite Startbahn endgültig vom Tisch.

Andreas Schwarz, Grüne, Landtagsabgeordneter aus Kirchheim: Es war gut, dass wir die Volksabstimmung gemacht haben und das Interesse so groß war. Jetzt liegt ein klarer Auftrag an Landesregierung und Bundesbahn vor. Wir Grünen akzeptieren das Ergebnis und werden das Projekt konstruktiv begleiten, wird werden aber auch strikt auf das Kostencontrolling und den Deckel von 4,5 Milliarden Euro achten. Für den Kreis Esslingen ist wichtig, dass die S 1 weiterhin bis Herrenberg durchfährt und nicht nur bis zur Schwabstraße. Auch die Fahrplanstabilität der S 1 muss erhalten werden.

Karl Zimmermann, CDU-Landtagsabgeordneter aus Kirchheim: Ein guter Tag für Baden-Württemberg und ein guter Tag für den Wirtschaftsstandort Deutschland, weil jetzt ein Zehn-Millionen-Volk entscheiden hat, dass man sich an Verträge halten will. Sorge bereitet mir noch, wie Recht und Ordnung gegenüber den Besetzern des Schlossgartens durchgesetzt werden sollen. Der Schlossgarten muss in den nächsten Tagen freigemacht werden.

Steffen Siegel, Sprecher der Schutzgemeinschaft Filder: Das Ergebnis zeigt, dass es eben doch ein Kampf von David gegen Goliath war. Es ist klar, dass man dieses eindeutige Ergebnis respektieren muss. Nun müssen diejenigen, die Stuttgart 21 unbedingt wollen, beweisen, dass das Projekt mit 4,5 Milliarden Euro machbar ist. Das scheint mir fast nicht machbar, zumal es gerade auf den Fildern noch viele Probleme zu lösen gibt. Da wird auch auf uns noch viel Arbeit zukommen, weil wir den weiteren Prozess im Interesse der Filder kritisch begleiten werden.

Thaddäus Kunzmann, CDU-Landtagsabgeordneter aus Nürtingen: Ich bin begeistert. Der Anschluss an den Flughafen ist für den Raum Nürtingen unheimlich wichtig. Der Raum wird von S 21 profitieren, ebenso wie die Filder.

Christoph Bolay, Ostfilderner OB: Die Wahlbeteiligung war sehr, sehr gut und das Ergebnis ist eindeutig - beides ist ganz wichtig. Damit sollte die bisherige politische Diskussion über Stuttgart 21 beendet sein. Beide Seiten haben sich bisher auf die Menschen berufen - nun wissen wir dank der hohen Beteiligung, was die Mehrheit wirklich denkt.

Frank Buß, Plochinger Bürgermeister: Die hohe Beteiligung gibt dem Projekt die nötige Legitimation. Nun sind Befürworter und Gegner aufgerufen, zu zeigen, dass wir in der Lage sind, solch ein anspruchsvolles Projekt in hoher Qualität und im Kostenrahmen zu realisieren.

 
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