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21.07.2011

dpa-Meldung: Gutachter geben grünes Licht für Stuttgart 21

Von Julia Giertz und Bernd Röder, dpa


Der Stresstest ist bestanden, aber der Streit um Stuttgart 21 geht
trotzdem weiter. Die Gegner des Tiefbahnhofes akzeptieren das
Ergebnis nicht. Dem Stuttgarter Kessel droht nun erneut ein heißer
Sommer.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Bahn hat im Streit um Stuttgart
21 eine entscheidende Hürde genommen. Das Gutachten zum Stresstest
hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die
Leistungsfähigkeit des geplanten unterirdischen Durchgangsbahnhofs
bestätigt.

In der noch unveröffentlichten Untersuchung der Schweizer
Verkehrsberater sma heißt es: «Unsere Überprüfung der
Simulationsergebnisse hat gezeigt, dass die geforderten 49 Ankünfte
im Hauptbahnhof Stuttgart in der am meisten belasteten Stunde und mit
dem in der Simulation unterstellten Fahrplan mit wirtschaftlich
optimaler Betriebsqualität abgewickelt werden können.» Die vom
Schlichter Heiner Geißler «geforderten anerkannten Standards des
Eisenbahnwesens sind eingehalten».

Die dem Testat zugrundeliegende Computersimulation der Bahn sollte
nachweisen, dass der neue Bahnhof zur Hauptverkehrszeit am Morgen 30
Prozent leistungsfähiger ist als der bestehende Kopfbahnhof. Die Bahn
war bei ihrem Stresstest zu dem Ergebnis gekommen, dass diese
Anforderung aus dem Schlichterspruch mit Nachbesserungen von 40
Millionen Euro erreicht werde.

Der begutachtete Stresstest soll nach dem Willen von Geißler am
nächsten Dienstag öffentlich präsentiert werden. Das Aktionsbündnis
gegen Stuttgart 21 will die Veranstaltung boykottieren: Die Gegner
fühlen sich mit ihren Wünschen nach Mitwirkung an den Grundlagen der
Computersimulation ignoriert. Dagegen wundert sich die Bahn darüber,
dass das Angebot eines Dialogforums ausgeschlagen wurde. Beide Seiten
werfen sich gegenseitig mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit
vor.

Auch Geißler sieht die Absage des Aktionsbündnisses kritisch: «Ich
bin nicht der Psychotherapeut der Gegner. Es ist aus ihrer Sicht
falsch, wenn man die Gelegenheit nicht wahrnimmt, die Argumente der
Öffentlichkeit vorzustellen», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.
Das Aktionsbündnis akzeptiert das Ergebnis des Stresstests nicht.
«Das grüne Licht nützt nichts, wenn es auf falschen Prämissen
aufbaut», sagte Sprecherin Brigitte Dahlbender am Donnerstag. Das
Aktionsbündnis habe klar beschlossen, dass es an einem «Abklatsch der
Faktenschlichtung» nicht teilnehmen werde. «Für eine öffentliche
Schauveranstaltung über einen Alibi-Stresstest stehen wir nicht zur
Verfügung.»

Aus Sicht von Hannes Rockenbauch, Stuttgarter Stadtrat und
ebenfalls Sprecher des Bündnisses, fehlen der bahninternen Simulation
jegliche Stör- oder Notallszenarien: «Ein Stresstest ohne Stress
verdient den Begriff Stresstest nicht.»

Die Bahn bedauerte den Ausstieg der Gegner. «Wir hätten es gern
gehabt, wenn alle Beteiligten bis zur letzten Runde dabei geblieben
wären», sagte Projektsprecher Wolfgang Dietrich der dpa. Die
Ergebnisse müssten trotzdem öffentlich präsentiert werden: «Jetzt
geht vor, die Öffentlichkeit in Baden-Württemberg mit umfassenden
Informationen zu versorgen, das Aktionsbündnis vertritt ja nur einen
kleinen Teil.»

Aus Sicht von Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU)
macht sich das Aktionsbündnis unglaubwürdig. «Denn es scheint nicht
mehr um die Sache zu gehen, sondern nur darum, dagegen zu sein und
weiteren Streit zu provozieren.» Auch die FDP im Landtag ging mit dem
Bündnis hart ins Gericht. «Es zeigt sich, dass die Projektgegner nur
das hören wollen, was ihnen in den Kram passt», meinte Fraktionschef
Hans-Ulrich Rülke. Er erinnerte daran, dass die Gegner die
Gutachterfirma sma selbst vorgeschlagen hatten.

 
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